aidos.tech Transparenz bei Google-Bewertungen
Methodik

Wie aidos erhebt, rechnet und veröffentlicht

Jede Zahl auf dieser Seite muss sich auf eine öffentlich einsehbare Angabe zurückführen lassen. Hier steht, woher die Daten kommen, was wir daraus berechnen — und was wir bewusst nicht tun.

1. Die Datenquelle

Grundlage ist der Transparenz-Hinweis von Google Maps: Seit 2026 weist Google auf öffentlichen Unternehmensprofilen aus, wie viele Bewertungen in den letzten 365 Tagen „aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung entfernt" wurden. aidos erfasst ausschließlich, was dort für jeden sichtbar steht:

Nicht erfasst werden Inhalte oder Verfasser:innen einzelner Bewertungen — weder sichtbarer noch entfernter.

2. Die Erhebung

  1. Kandidaten: Unternehmensprofile werden systematisch aus offenen Quellen (u. a. OpenStreetMap) zusammengestellt — Stadt für Stadt, branchenübergreifend.
  2. Prüfung: Jedes Profil wird auf den Transparenz-Hinweis geprüft. Auch Profile ohne Hinweis werden gezählt — nur so lässt sich seriös sagen, wie verbreitet Entfernungen wirklich sind (gemessener Nenner statt Anekdote).
  3. Monatliche Wiederholung: Die Erhebung läuft monatlich neu. Jeder Eintrag trägt ein Stand-Datum; Einträge, die nicht erneut bestätigt wurden, verschwinden aus der öffentlichen Ansicht.

Zur Reichweite: Der Hinweis ist selten — in den bisher erhobenen Städten tragen ihn nur rund 3–5 % der geprüften Profile. Seit Juli 2026 protokolliert die Erhebung jede geprüfte URL mit Ergebnis; die daraus gemessene Quote je Stadt steht in der Datenbasis-Übersicht.

3. Was wir berechnen

Spannen, nie Scheingenauigkeit

Google nennt keine exakten Zahlen, sondern Spannen. Wir rechnen mit diesen Spannen weiter und weisen sie auch so aus. Bei „über 250" ist die wahre Zahl unbekannt — dort rechnen wir mit 250 als Untergrenze und kennzeichnen alles Weitere als nach oben offen, statt eine Obergrenze zu erfinden.

Die Schätzung „Note ohne Entfernungen"

Für Profile mit ausreichender Datenlage schätzen wir, wo die Note läge, wenn die entfernten Bewertungen noch zählten. Die Rechnung ist eine einzige Zeile: Die entfernten Bewertungen werden in den angezeigten Schnitt zurückgelegt.

ρ′ = (S + R · a) / (N + R)
ρ = angezeigte Note · N = angezeigte Bewertungen · S = ρ · N
R = Zahl der entfernten Bewertungen (von Google) · a = deren angenommener Sternwert

Alles außer R und a steht öffentlich im Google-Profil. Diese beiden Größen sind unbekannt — aber sehr unterschiedlich unbekannt, und das ist der Kern des Verfahrens.

a — der Sternwert der entfernten Bewertungen

Die entfernten Bewertungen sind weg, ihr Sternwert also grundsätzlich nicht beobachtbar. Entfernt wird auf Diffamierungs-Beschwerde hin, sie sind damit ihrer Natur nach negativ; wir setzen den Wertebereich auf 1–2★.

Der Mittelwert darin ist keine Setzung, sondern gemessen. Der einzige empirische Anker sind die Negativbewertungen, die bei denselben Betrieben überlebt haben — über alle erfassten Profile mit Sternverteilung:

SterneAnteil überlebender Bewertungen
1★2,1 %
2★1,1 %
3★4,4 %
4★18,0 %
5★74,4 %

1★ übertreffen 2★ im Verhältnis 1,99 : 1 (Median je Betrieb: exakt 2 : 1). Daraus ergibt sich ein Mittelwert von rund 1,34★; gerechnet wird mit dem festen Wert 1,335★. Die Messung wird nach jeder Erhebung wiederholt — sie liegt bislang stabil bei 1,33–1,34★, weshalb die Konstante nicht monatlich mitwandert. 3★ bleiben bewusst außen vor: Sie stellen 59 % des gesamten 1–3★-Bestands, würden den Mittelwert auf 2,3★ ziehen und den ausgewiesenen Effekt damit etwa halbieren — und eine mittelmäßige 3★-Bewertung wird praktisch nie als diffamierend entfernt.

R — hier sitzt die eigentliche Unsicherheit

Wir haben nachgerechnet, wie stark die beiden Unbekannten überhaupt wirken. Verschiebt man a über seinen gesamten Bereich von 1★ bis 2★, ändert sich der ausgewiesene Effekt im Median nur um rund 0,1★. Googles Spanne für R bewegt ihn dagegen bei 93 % der Profile stärker. Die Debatte über den Sternwert ist also die kleinere Frage; die Bandbreite auf der Seite stammt ganz überwiegend daher, dass Google „151 bis 200" schreibt statt einer Zahl.

Deshalb koppeln wir die Enden des Korridors so, dass er eine echte Umhüllende ist und keine Zierde:

obere Kante = wenigste Entfernungen (Rmin) × mildeste Annahme (2★)Mindesteffekt
untere Kante = meiste Entfernungen (Rmax) × härteste Annahme (1★)Höchsteffekt

Ausgewiesen wird die obere Kante als „mindestens". Sie unterstellt gleichzeitig die niedrigste von Google genannte Zahl und die mildeste Bewertung — sie lässt sich also nicht mit dem Argument bestreiten, wir hätten zu drastisch gerechnet.

„Über 250" — ein Korridor ohne Boden

Bei den auffälligsten Profilen nennt Google nur eine Untergrenze. Für sie existiert keine obere Kante von R und damit keine untere Kante des Korridors. Wir setzen dort keinen Ersatzwert ein, sondern zeichnen den Korridor nach unten offen und schreiben „höchstens X★". Ein eingesetzter Ersatzwert hätte den gegenteiligen Effekt: Er ließe ausgerechnet die am stärksten betroffenen Profile am sichersten aussehen.

Warum die Schätzung systematisch zu niedrig ist

Googles Angabe ist eine rollierende 365-Tage-Summe. Was länger zurückliegt, fällt aus ihr heraus — wirkt aber im angezeigten Gesamtschnitt weiter, denn der ist All-Time. Der ausgewiesene Effekt ist deshalb eine Untergrenze für die gesamte Verzerrung, nicht deren Maß.

Genau das lässt sich mit fortlaufenden Monatsmessungen anheben — allerdings nicht durch Addition. Zwei Messungen im Abstand eines Monats überlappen zu elf Zwölfteln: „151 bis 200" im Juli und noch einmal im August beschreiben überwiegend dieselben Entfernungen, nicht 400. Belastbar sind drei Schranken, von denen wir die größte verwenden:

1 · das größte je gelesene Fenster — jedes Fenster ist eine Teilmenge des Gesamten
2 · erstes Fenster + jeder beobachtete Zuwachs — aus Wt − Wt−1 = r(t) − r(t−12) und r ≥ 0 folgt r(t) ≥ Wt − Wt−1
3 · Summe von Messungen im Abstand ≥ 12 Monaten — deren Fenster überlappen nicht und zählen voll

Bei den Bändern rechnen wir mit der Untergrenze für Zuwächse und der Obergrenze für Abzüge; ein gedeckeltes „über 250" trägt nichts bei und kann die Zahl folglich nie aufblähen. In einer Simulation über 5.675 Verläufe hat diese Schranke die tatsächliche Zahl nie überschritten und sie im Mittel um 42 % unterschätzt — sie ist ein Boden, keine Schätzung. Auf einer Profilseite erscheint sie erst, sobald sie mehr aussagt als Googles aktuelles Fenster.

Alles zusammen bleibt ausdrücklich eine Schätzung: Waren die Entfernungen berechtigt — etwa bei einer Fake-Kampagne —, ist die angezeigte Note die zutreffendere. Die Rechnung sagt, wie stark die Anzeige von den Entfernungen abhängt, nicht ob sie zu Recht erfolgten.

Der aidos-Score

Der Score (0–100) ist ein Perzentil des Mindesteffekts: Er ordnet ein Profil danach ein, wie weit die Entfernungen die angezeigte Note nachweislich anheben. Ein Score von 90 heißt „stärker betroffen als 90 % der erfassten Profile" — eine neutrale statistische Einordnung, kein Werturteil und kein Beweis für Fehlverhalten.

Bis August 2026 zählte der Score die Zahl entfernter Bewertungen. Das maß vor allem Betriebsgröße: Ein Lokal mit 8.000 sichtbaren Bewertungen und „über 250" Entfernungen stand weit oben, obwohl seine Note dadurch um weniger als 0,1★ steigt — während ein Betrieb mit 113 Bewertungen und 101–150 Entfernungen, dessen Note um mindestens 1,3★ geschönt wird, gar nicht auffiel. Sortiert wird deshalb nach dem Effekt. Die von Google genannte Zahl steht weiterhin in jeder Zeile, sie ist der Rohbefund.

Der Monatsvergleich — warum wir Betriebe zählen, keine Bewertungen

Weil Google nur Spannen veröffentlicht, lässt sich aus zwei Messungen keine Stückzahl entfernter Bewertungen ableiten. Zieht man die Spannen-Mittelwerte zweier Monate voneinander ab, misst das Ergebnis die Breite der Spannen, nicht das Geschehen: Ein einziger Betrieb, der von „151 bis 200" nach „201 bis 250" wechselt, erzeugt rechnerisch „+50", obwohl der tatsächliche Zuwachs auch 1 sein kann. Umgekehrt bleibt jede Veränderung innerhalb einer Spanne unsichtbar. Eine solche Differenz ist weder Ober- noch Untergrenze, sondern ein Rechenartefakt — wir veröffentlichen sie nicht.

Ausgewiesen wird stattdessen das kleinste sicher messbare Ereignis: wie viele Betriebe eine Spannengrenze überschritten haben, und in welche Richtung. Das ist ein harter Fakt aus Googles eigener Anzeige. „Unverändert" heißt dabei ausdrücklich nicht „keine Entfernungen" — bei einer rollierenden 365-Tage-Summe kann es ebenso bedeuten, dass neue Entfernungen und herausgefallene Altfälle einander aufheben.

4. Wen wir nennen — und wen nicht

Namensnennung nur bei juristischen Personen und Ketten. Öffentlich namentlich erscheinen ausschließlich Kapitalgesellschaften (GmbH, AG …), größere Ketten und umsatzstarke Betriebe. Einzelunternehmer:innen und Kleinstbetriebe fließen nur anonymisiert in Aggregate ein (Branche, Stadt, Anzahl) und werden intern pseudonymisiert gespeichert. Details in der Datenschutzerklärung.

5. Grenzen der Daten

6. Korrekturen

Fehler passieren — und werden korrigiert. Betroffene Unternehmen können ihre Daten über Daten melden / korrigieren beanstanden. Ist eine Prüfung nicht innerhalb von 5 Tagen abgeschlossen, nehmen wir den Eintrag vorsorglich aus der öffentlichen Ansicht. Inhaltliche Korrekturen vermerken wir auf der betroffenen Seite.